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Auf den Spuren des Maratona dles Dolomites

Das Hotel Gran Paradiso

©Joris Lugtigheid

Der Maratona dles Dolomites ist wohl einer der landschaftlich schönsten Radmarathons der Alpen. Obwohl die heutige Strecke mit offiziell 138 Kilometern angegeben ist, zählt sie aufgrund der zu bewältigenden 4.230 Höhenmeter als Marathon. Die Zahl der Voranmeldungen zum Losverfahren für eine Teilnahme übersteigt die Kapazität der rund 9.000 Startplätze regelmäßig um das Zwei- bis Dreifache.
Die Hälfte der Plätze wird an Italiener vergeben, der Rest auf mehr als 70 Nationen verteilt, wobei deutsche Radsportler die größte internationale Teilnehmergruppe stellen. Neben der Maratona selbst findet ein umfangreiches mehrtägiges Rahmenprogramm statt, in dem alljährlich auch ein wohltätiges Projekt vorgestellt wird, dem ein Teil der Startgebühren zugutekommt.

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Von St. Kassian aus

Der ideale Ausgangspunkt, um für den Maratona dles Dolomites zu trainieren ist das Hotel Gran Paradiso in St. Kassian. Roland, der dynamische Inhaber des Hotels, ist ein erfahrener, von CONI (ital. olympisches Komitee) zertifizierter Roadbike-Führer und großer Liebhaber des Zweirads. Für Trainingsgruppen arbeitet man im Hotel mit dem berühmten Radsporttrainer Giovanni Camorani zusammen.

Wir befinden uns noch in der Vorbereitung und wollen die Originalstrecke heute einmal abfahren. Anfang Juli soll das Event in diesem Jahr stattfinden. Das Thema für die 34. Auflage ist Kunst. Michil Costa, der Kopf hinter dem Marathon und alljährliche Eröffnungsfahrer, beschreibt das Thema wie folgt:

Thauma“ bedarf einer Übersetzung. Für die Griechen beschreibt „thauma“ das verwunderte Staunen, gepaart mit einem Gefühl der Furcht, angesichts eines großen Werks. Homer spricht von „thauma“, wenn er uns von Polyphem erzählt, dem einäugigen Riesen, der die unglücklichen Gefährten Odysseus‘ zerfleischt und verschlingt. Der Anblick des sagenumwobenen Zyklopen, dieses Monsters mit seinem gigantischen Körper, löst Staunen und Entsetzen zugleich aus. Positive und negative Emotionen. Ying und Yang. Aber warum?

Der Blick auf einen Himmel voller Sterne versetzt uns noch heute in Staunen. In diesem intensiven Gefühl klingt in uns das antike Staunen tausender Generationen vor uns nach. Gibt es ein größeres Kunstwerk, als die Schöpfung, die Erde? Der Mensch hat ein tiefes, ursprüngliches, angeborenes Bedürfnis, eine Antwort auf die großen Fragen zu finden, das Unbegreifliche zu bestaunen, sich berühren zu lassen von der Schönheit von etwas, das über den Menschen, über uns selbst hinausgeht. „Thauma“ bedarf einer Übersetzung in ein großes KUNSTwerk.“

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Die Worte Costas hallen noch in uns nach, als wir bereits den ersten Anstieg hinter uns lassen konnten. Dem ersten von insgesamt acht heute: Campolongopass, Pordoijoch, Sellajoch, Grödnerjoch, noch einmal der Campolongopass, Giaupass, der ideale Ort für eine letzte Pause vor der letzte Anstrengung, Falzaregopass und Valparolapass. Was sich liest wie das Who is Who der schönsten Alpenpässe ist einfach nur eine Streckenbeschreibung. Doch diese Tour ist vielmehr als das. Sie ist ein landschaftlicher Genuss, eine konditionelle Herausforderung und ein Kunstwerk an sich.

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Interview mit Roland

Nach unserer Tour sitzen wir noch einmal mit Roland, dem Hotelier des Gran Paradiso zusammen. Wir sprechen über den grünen Ansatz des Events. Ab 2019 hat auch die Maratona dles Dolomites – Enel die Auszeichnung Green Event erhalten. Dank der zahlreichen Initiativen, die auf den bestmöglichen Umgang der Ressourcen und auf Maßnahmen abzielen, welche den Energieverbrauch einschränken. Der Maratona dles Dolomites ist viel mehr, als ein reiner Radmarathon. Ein Event aus der Region für die Region. Für ein lebenswertes Morgen, das immer wieder einen neuen, nachhaltigen Fokus setzt. Und natürlich ist und bleibt es ein fantastisches Rad-Happening.

Photos: Joris Lugtigheid

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